Literatur, Prosa, Sachliches und Kritik bei Thomas A. Kristott

Literatur, Schreiben, Schriftsteller, Kultur und Zivilcourage

Literaturagenturen, Lektorate, Verlage (Begutachtung, Bearbeitung, Vermittlung, Veröffentlichung), worauf Autoren achten sollten

Aus: Mein Lektorat und Literaturagentur 

Warum nicht einfach gleich fertige Texte an Verlage oder unvorbereitet an Literaturagenturen schicken (am besten gleich an mehrere)?
Nun, dazu würden wir nicht raten, denn es gibt beim Versuch der erfolgreichen Veröffentlichung eines Werkes äußerst gefährliche bis tödliche Klippen:

Wer sich als Autor mit seinem Manuskript unbedarft und vorschnell gleich ohne Weiteres an einen Verlag oder an eine Literaturagentur wendet und auf Veröffentlichung und Bucherfolg hofft, wird in den allermeisten Fällen sehr enttäuscht werden.
Obwohl die Arbeit möglicherweise viel zu bieten hat und vielleicht nur noch gezielt letzte Schliffe und Änderungen benötigt, landet sie nur zu oft im Lektoren-Papierkorb der Adressaten oder wird fast kommentarlos zurückgeschickt. Chancen sind vertan, und ständig weiteres Herumreichen des Manuskripts führt lediglich zum völligen „Verbrennen“ und „Verreißen“ der manchmal jahrelang erarbeiteten eigenen Werke – mit das Schlimmste, was dem Autor passieren kann -, so wie es einem Immobilienverkäufer ergeht, der seine Immobilie wie Sauerbier herumreicht aber so gut wie nie zum Erfolg kommt. Denn ist das Objekt erst mal verrissen, ist es auch „gestorben“, selbst wenn es eigentlich gut ist.

Eine weitere Endstation für ein sonst gutes Werk sind die Fänge von sogenannten Zuschussverlagen. Da diese „Verlage“ niemals vorhaben, ihr Geld für eine tatsächliche Veröffentlichung einzusetzen sondern sich lediglich unmittelbar am oft ohnehin schmalen Geldbeutel des Autors bereichern wollen, kann man hier nicht von einem Verlag sprechen – allenfalls von Betrügern und dubiosen Dienstleistern für billig geschusterte und teuer (oft im Paketpreis für mehrere Tausend Euro) dem Autor selbst verkaufte, meist digital hergestellte, Druckausgaben seines Manuskripts. Von Anfang an wird der Autor hier mit fadenscheinigen, verlogenen Begründungen und Versprechungen vertraglich zu unseriösen und überflüssigen Zahlungen überrumpelnd verpflichtet.

Es gibt allerdings auch einige bekannte und weniger bekannte Institutionen, die hier nicht unbedingt als reine Zuschussverlage im oben beschriebenen Sinn bezeichnet werden sollen, welche Autoren aber unter scheinbar sehr günstigen Bedingungen ködern, indem sie ebenfalls anbieten, Buchausgaben ihrer Werke digital, also on demand prints, herzustellen und zu veröffentlichen – für wenig oder gänzlich ohne weitere besondere Vorkosten.
Dafür wird eine ISBN-Nummer zugeteilt und die üblichen Rahmenbedingungen wie Pflichtexemplare und Aufnahme in das Verzeichnis lieferbarer Bücher erledigt etc., und das Buch kann über dieses Netzwerk und direkt überall im Handel bestellt werden.

Leider hat die Sache aber mehrere Haken.
Einerseits werden als Herausgeber und Verleger genau diese Netzwerke genannt, die in der Regel auf dem Literaturmarkt nicht als wirklich echte Verlage angesehen werden.
Andererseits binden sich die Autoren für eine gewisse oder nicht selten auch undefinierbare Zeit mit erheblichen Anteilen ihrer Rechte und erhalten über diese Netzwerke erst dann Honorare, wenn verkauft wurde und Vertriebs- u. herstellungskosten komplett abgezogen wurden. Die eigene notwendige, richtige Übersicht fehlt dabei letztlich oft. Den Autoren werden „Honorare“ gezahlt, die mit bis zu 50 % angegeben werden – aber nach Abzug aller angeblich und tatsächlichen Kosten und Anteile dieser „Herausgeber“ und unter dem Strich verbleibt auch nur maximal der übliche Autorenanteil, der bei um die 10 % vom Verkaufspreis liegt. Mitunter werden sehr undurchsichtige Kosten angeführt. Honorarvorschüsse, wie bei richtigen Verlagen gang und gäbe, sind natürlich kein Thema.
Den verständlichen Wunsch, ein Buch zu veröffentlichen, und das möglichst ohne wesentliche eigene Investitionen, glauben sich manche Autoren damit zu erfüllen, dass ihr Buch als Druckausgabe vorliegt und über den Handel und im Internet bestellt werden kann, – und genau das machen sich geschäftstüchtige Firmen zunutze, indem sie ihre vielversprechenden Angebote – alles aber nur gewitzte Modelle für Verkauf und Dienstleistungen – entwickeln. Mit Literatur und deren professionelle Veröffentlichung hat das meist nicht viel zu tun.
Den Löwenanteil daraus (und noch mehr aus etlichen Dienstleistungs-Nebenangeboten) verdienen diese Netzwerke und deren Partner. Für sie rechnet sich jedes einzelne Buchexemplar und jede einzelne „Dienstleistung“, jedes einzelne abgeschwatzte und umgemünzte Aurorenrecht – wie etwa nicht mehr zu kontrollierende Lizenzen ins Ausland -, und je mehr verschiedene Autoren sich beteiligen umso größer ist die gesamte, den dienstleistenden „Verlegern“ gewinnbringende „Auflage“ – während die tatsächliche eines einzigen Titels – und damit die Einnahme des Autors – sich fast immer in sehr bescheidenen Grenzen hält.
Werbung gibt es weder für Buch noch Autor.

Bestimmte „Literaturagenturen“ haben da noch eine andere Masche auf Lager. Sie lassen sich die erste „fachmännische“ Beurteilung eines Autorenmanuskripts im Umfang von gerade mal 3 bis 6 Seiten teuer bezahlen, meist nicht unter mehreren Hundert Euros, statt hier kostenlos in Vorleistung zu gehen oder, wenn die Unterstützung sich zunächst auf Korrektorat und Bearbeitung bezieht, das Komplettwerk für eine angemessene Honorarleistung gemeinsam mit dem Autor zu bearbeiten. Sie sagen sich, wenn schon kein Agenturvertrag zustande kommt oder finanziell Sinn macht, dann wenigstens mühelos, ohne Aufwand, ohne wirklichen fachlichen Hintergrund, am Autor verdienen.

Bedeutende und seriöse Agenturen und Verlage arbeiten nicht mit solchen faulen Tricks und schwatzen ahnungslosen Autoren derlei nicht auf. Allerdings fassen sie auch ein bereits herumkursierendes Werk, welches dazu bereits durch die Finger der einschlägigen Geschäftemacher gegangen ist – wenn überhaupt – nur mit sehr spitzen Fingern an.

Was bleibt, ist eine Buchleiche und die Illusion des Autors, ein Buch veröffentlicht zu haben. Wer als angehender Schriftsteller diesen Weg geht, dem kann nur geraten werden, ein Pseudonym zu verwenden. Probieren, was geht, mit dem einen oder anderen Titel, unter Pseudonym – um ohne nennenswerte Investitionen Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, vielleicht auch etwas zu verdienen – warum auch nicht. Doch eine wirklich hoffnungsvoll gute Arbeit, die verdächtig ist, durchaus gute Auflagen zu erzielen, hat in einer solchen Vermarktungskonstruktion nichts verloren.

Wenn letztlich alle Anstrengungen, einen richtigen und passenden Verlag zu finden, scheitern, kann ein Autor immer noch versuchen, das eigene Werk selbst zu veröffentlichen, im Selbstverlag – für das Geld, was er den entsprechenden Netzwerken und „Verlagen“ sonst dafür gezahlt hätte. Eine eigene ISBN-Nummer und der Weg in den Handel sind auch selber zu schaffen. Die Kalkulation kann optimiert werden, Verkaufserlöse kommen über den seriösen Handel sicher auf das eigene Konto, oder Bestellungen werden direkt beim Autor getätigt. Dieser könnte sich zweckmäßigerweise eine eigene Autorenhomepage zulegen, die nicht aufwendig zu sein braucht. Neben weiteren Initiativen bedeutet dies beste Werbung und effiziente Bestellmöglichkeit direkt bzw. über einen Link zum vernetzten Buchhandel, wofür das Buch neben der obligatorischen ISBN-Nummer natürlich beim Buchhandel gelistet sein muss.
Dafür nutzt man letztlich das Verzeichnis lieferbarer Bücher, in welchem der Titel eingetragen wird. All dies, was mit einer eigenen profimäßigen Veröffentlichung zusammenhängt, ist unkompliziert und von den Autoren, die sich auch als Selbstverleger versuchen, leicht zu erlernen. Vor dieser Variante einer Veröffentlichung sollten allerdings auf jeden Fall alle Möglichkeiten über eine Literaturagentur oder Verlag genutzt werden, wenn man nicht – wie oben beschrieben – das „Verbrennen“ seines Werkes riskieren will.

Abzuraten ist von allen einfachen „Veröffentlichungen“ ohne die richtige, rechtlich gesicherte und auch vertrauenswürdigere Herausgabe eines Buches, hinter dem der Autor wirklich mit seiner Person und einem guten Verlag steht. Also Finger weg von ungeschützten E-Book-Veröffentlichungen und selbst gebastelten Druck-Kladden.
E-Book-Exemplare – auch kopiergeschützt – sollten, wenn überhaupt, erst nach der echten Hauptveröffentlichung eines Drucks lediglich zu dessen Ergänzung angeboten werden, oder die Entscheidung dazu verbleibt beim Verlag. Insbesondere werden die E-Books dann der Werbung, somit dem Bekanntheitsgrad von Titel und Autorennamen dienen.
Beim alleinigen Vertrieb als E-Book muss mit Sicherheit von der Tatsache ausgegangen werden, dass kaum jemand so ein Werk ernst nimmt, wenn es nicht zumindest bereits als Rarität gehandelt wird.
Wenn ein Buch nicht irgendwann bei einem echten, möglichst bekannten Verlag erschienen ist, bestehen unüberwindliche Vorurteile, für die Masse der Leser bleibt das Werk unseriös, wie interessant es auch sein mag. Insbesondere, wenn der Autor nicht bekannt ist.

Man kann dies mit einem anderen, ähnlichen Phänomen vergleichen:
Wer eine sehr urige Kneipe betritt, geht meist dennoch gleich oder bald wieder heraus, wenn darin kein einziger weiterer Gast sitzt und auch niemand oder nur wenige Leute über eine längere Zeit hereinkommen.

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